On Track – ein Selbstversuch

On Track – ein Selbstversuch

Diese Zeilen entstehen mal wieder unterwegs. Für unseren Heimweg von Charleston nach New York City haben wir noch einmal das Verkehrsmittel gewechselt und sind diesmal mit der Bahn unterwegs, in einem Palmetto-Train von Amtrak.

Wer sich jemals über die Deutsche Bahn, ihre Baustellen und Verspätungen beschwert hat, der sollte beim nächsten Mal einfach das genießen, was er oder sie an ihr hat. Oder sind es eher die Umstände und das Land? Was sich auf jeden Fall konstatieren lässt: Von Charleston bis Brooklyn sind es laut Internet-Maps 1221 Straßenkilometer; mit dem Zug dürfte es nicht viel anders sein.  Wir durchqueren auf unserer Reise South Carolina, North Carolina, Virginia, Maryland, Washington D.C., Delaware, Pennsylvania, New Jersey bevor wir in Manhattan unter der Erde ankommen. Schon die planmäßige Fahrt dauert über 14 Stunden. Hinzu kommt der Transport von Charleston Zentrum bis an den Bahnhof, der ähnlich wie bei den französischen TGVs j.w.d. liegt; außerdem unsere um Mitternacht wohl einstündige Fahrt mit der Subway.

Der Zug selbst ist von außen überwiegend in Edelstahl gehalten; innen dominieren graues Kunstleder und in die Jahre gekommene Plastikelemente, aber immerhin gibt es zwischen den Sitzreihen so viel Platz, dass man (quer zur Fahrtrichtung) wahrscheinlich Yogaübungen machen könnte – vorausgesetzt das wäre tunlich und von der Wagen-Belegung her möglich.

Doch stattdessen sitze ich still auf meinem Sitzplatz, schaue in die vorbei rauschenden Büsche und Bäume, öfter auch mal mit den Wurzeln im Wasser und frage mich, was langsamer ist: das WLAN oder der Zug. Im Moment (hinter Rocky Mount, NC) rauschen wir allerdings regelrecht durch die Gegend  (vielleicht 100 km/h?; Geschwindigkeit ist hier in dem Zug keine Dimension, mit der sich Amtrak schmücken würde). Die Strecke wird übrigens pro Richtung einmal täglich befahren und ist von Savannah bis Washington auch nur einspurig ausgebaut, aus Kosten- und Wartungsgründen auch ohne Oberleitungen.

Was uns übrigens auf unserer Retro-Tour ständig begleitet (außer Zugbegleitern mit einem recht militärischen Drillton) ist das Gehupe des Zugs, der wahrscheinlich vor allem Tiere, an wenigen Stellen aber auch Menschen in Autos vor dem Überqueren der Strecke warnen will.

Und jetzt reicht‘s mit Zugfahrten – ich melde mich nur noch einmal, wenn es spannend wird.

Angekommen ergänze ich noch: Wir habe es geschafft, aber richtig aufregend wurde es nicht; der Potomac vor Washington ist beeindruckend; in Washington Union Station gibt‘s eine längere Pause, weil der Zug von Diesel auf Elektrizität umgestellt wird, und das war‘s dann auch mit Attraktionen. Fazit: Kann man schon mal machen, aber nach Florida (nur als Beispiel) würde ich beim nächsten Mal wohl doch den Flieger nehmen.

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Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn