Hitze oder nicht: The show must go on! Für uns gestern mit wechselnder Besetzung die klassische Staten Island Fährfahrt, Wall Street, 9/11 Memorial, One World Trade Center, Spaziergang am Hudson, Freedom Day-Yoga im Bryant Park und Brooklyn Bridge bzw. Theater. Anders als die großen Konzert- und Opernhäuser, die schon auf Sommerpause oder alternatives Sommerprogramm umgestellt haben) läuft die Saison am kommerziellen Broadway durch. Die Touristen und Einheimischen wollen ja auch belustigt werden.
Wir haben gestern „Appropriate“ gesehen, ein Stück von Branden Jacobs-Jenkins. Dieser Bühnenautor war mir bislang kein Begriff, er war aber immerhin 2016 und 2018 in der Auswahl für den Pulitzer Prize in der Kategorie Drama. Auch die Broadway-Neuinszenierung ist preisgekrönt. Bei den Tony Awards, die erst vor ein paar Tagen, am 16. Juni vergeben wurden, wurde „Appropriate“ als „best revival of a play“ prämiert, dazu Sarah Paulson als beste Hauptdarstellerin in einem Theaterstück, und Jane Cox für das beste Lichtdesign.
Bei so vielen Preisen sind die Erwartungen natürlich entsprechend hoch (auch wenn man etwas besänftigend hinzufügen könnte, dass es bei den Tonies, wie bei den Oscars eine wahre Flut von Kategorien gibt und sich beinahe jede Broadway-Produktion mit Nominierungen, früheren und aktuellen Preisen schmückt). Die Schauspieler:innen, allen voran Sarah Paulson, aber auch die männlichen Darstellen Corey Stoll und Michael Esper waren überzeugend.
Bei dem Stück und der Inszenierung bin ich mir da nicht so sicher. Die Handlung war ein klassisches Familiendrama; drei Geschwister treffen aufeinander, als sie das Haus ihres verstorbenen Vaters vor dem Verkauf aufräumen. Dabei kommen ausgelöst durch ein ominöses Fotoalbum diverse unappetitliche Geheimnisse aus der Vergangenheit ans Tageslicht: von Sklaverei, Pädophilie, Geldgier, Judenhass, Rassismus, Ku-Klux-Klan, Inzest wird eigentlich nichts ausgelassen.
Nun habe ich selber auf diesen Seiten ja durchaus eine Tendenz zum Beleuchten der schwierigen Seiten amerikanischer Geschichte, aber das war vielleicht doch ein bisschen zu viel auf einmal. Vielleicht fand ich es auch eher unheimlich, dass das Publikum auch da ausgiebig gelacht hat, wo einem das Lachen vielleicht im Hals stecken bleiben sollte. Aber das passt zu meinen sonstigen Broadway-Erfahrungen. Für das Bühnenbild gilt das auch: Keine Aufregung, nichts Experimentelles, sondern der Blick auf das Innere des Hauses. Die preisgekrönte Beleuchtung hat für Abwechslung gesorgt, am Schluss gab es sogar noch eine Art Zeitraffer-Effekt.
Passt zum Broadway – Appropriate!

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