Der Sommer kann ja so schön sein! Vor allem, wenn man sich ihm so richtig hingibt. In New York heißt das zum Beispiel: pack die Badehose ein, nimm das kleine Schwesterlein, und dann geht es raus zum Atlantik. Diesmal nach Coney Island.
Dort warten am Strand viel Sonne (und, wenn man nicht aufpasst, schnell auch der zugehörige Sonnenbrand), heißer Sandstrand, an dem man sich die Füße verbrennen kann, russisch sprechende Einheimische (Brighton Beach ist für seinen hohen Anteil an russischstämmigen New Yorkern bekannt) und natürlich erfrischendes Nass. Folgt man den Anweisungen der Tafeln und roten Fahnen (wir tun‘s nicht), dann dürfte man im Meer weder baden noch waten, aber wir vermuten mal, das liegt vor allem daran, dass die Männer und Frauen der Baywatch an diesem Tag (Samstag, den 22. Juni) Besseres zu tun haben.
Ein paar Meter weiter westlich findet nämlich die diesjährige Mermaid Parade statt. Dieses Spektakel, dass seit 1983 regelmäßig im Juni die Massen ins südliche Brooklyn lockt, ist angesiedelt zwischen Karnevalsumzug, Pride Parade, Kunst und politischer Demo. Hauptsächlich geht es aber darum, Spaß zu haben. Und den haben die mitziehenden „Tollitäten“, wie der Rheinländer sagen würde. Der Zug wird angeführt von King Neptune und Queen Mermaid und dahinter folgen Seeleute, Meeresprinzessinnen jedweden Geschlechts und sonstiges Wassergetier. Wenige Gruppen haben kleinere Gefährte dabei, hauptsächlich sind das aber Kinderwagen, mal eine Fahrradrikscha oder auch ein Rollstuhl – jeweils besetzt mit wunderbar kostümierten und thematisch passend geschminkten Personal.
Typisch amerikanisch oder typisch New York ist abgesehen vom großen Jubel und begeistert mitgehendem Publikum – häufig genauso schön verkleidet wir die aktiv Teilnehmenden -, dass das ganze Ereignis sehr unaufgeregt inklusiv ist: Meerjungfrauen sind alt und jung, dick und dünn, männlich, weiblich oder sonst etwas, sie können laufen oder eben nicht (mehr). Hauptsache, die Verkleidung stimmt. Und in dieser Hinsicht kann man noch Einiges für die nächste Sommer-Motto-Party mitnehmen. Hüte mit komplizierten Dreimastern, Röcke mit Tentakeln, Dreizacke und Netze, Fischschwänze, laufende Sardinenbüchsen, zu Quallen umgestaltete Regenschirme … Die politisch engagierteren haben sich ihre Kostüme aus Plastikabfall gebastelt und weisen auf die Vermüllung der Meere hin. LGBTQ+Botschaften gibt es natürlich auch.
Und als wir uns nach ausgiebiger Bewunderung der Parade wieder Richtung Subway aufgemacht haben, gab‘s natürlich noch die kleine Gegenveranstaltung: Ein frommer Prediger, der lautstark vor zu viel Unzucht warnt – und natürlich eine Twirk-Einlage der kritisierten provoziert. Freedom!




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