Stereophonic

Stereophonic

Heute ist noch einmal Zeit für eine Theaterkritik – möglicherweise meine letzte aus New York. Zumindest für jetzt. Doch bei allem Abschiedsschmerz, der sich hier so langsam einschleicht, bin ich mir doch sicher, dass ich noch ein-, zwei-, dreimal oder öfter in den Big Apple zurückkehren werde. Trotzdem; jetzt, während des Countdowns wird das Kultur-, Unternehmungs- und Besichtigungsprogramm noch einmal richtig durchgezogen, damit es für den langen und dunklen Berliner Arbeitswinter reicht.

Habe ich zum Beispiel schon erzählt, dass wir neulich auf dem Open-Air Dancefloor im Lincoln Center argentinischen Tango gehört und versuchsweise getanzt habe. Letzteres war nach einer halben Stunde Anleitung, hmm, sagen wir, noch nicht ganz perfekt. Aber Spaß gemacht hat es, und die Musik – fünf Instrumentalisten und eine Sängerin, eine Chorkollegin von mir – waren richtig gut.

Und jetzt wirklich zum angekündigten Theaterstück, das in diesem Falle aber auch wieder mit Musik zu tun hatte. Das Drama „Stereophonic“, der diesjährige Tony-Preisträger für das beste Stück, handelt von einer Band, die in den 70er Jahren am Beginn des Durchbruchs oder am Anfang vom Ende steht. Auf der Bühne gezeigt werden künstlerische Empfindsamkeit und Eitelkeiten, Alkohol- und Drogenprobleme, Beziehungskrisen, Harmonie und Dissonanzen. Die eher lockere Handlung spielt in einem Tonstudio, von dem aus man durch Glasfenster in den Proben- und Aufnahmeraum sehen kann. Dabei wird geschickt mit den beiden Ebenen gespielt. Als Zuschauer sitzt man auf der Seite der Techniker, die die Band und ihre Mitglieder kommentieren, Gespräche oder Musik ein- oder ausblenden können und auch einmal private Gespräche zwischen den Musikern abhören können. – Nicht unverdient angesichts dieser ganzen Darbietung für die Ohren wurde auch der Tony für den „Best Sound Design“ an „Stereophonic“ vergeben.

Gut gefallen hat mir auch das wunderbare 70ies Design mit in Braun- und Orangetönen gemusterten Teppichen und passenden Möbeln, in denen sich die Schauspieler:innen in ihren Schlaghosen und Blumenkleidern räkeln. Gesungen und gespielt haben sie übrigens auch überzeugend, selbst wenn sie die Instrumente teilweise wohl für das Stück erst erlernen mussten.

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Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn