Comedy

Comedy

Die wahrscheinlich schwierigste (wahlweise auch schmierigste) Form der Bühnenkunst ist Comedy. Was der eine komisch findet, bringt die andere gar nicht zum Lachen. Was heute gerade so im Bereich der Schmerzgrenze liegt, kann morgen schon einfach nur weh tun. Oder man langweilt sich, weil man sich durch vorgetragene Witze nicht angesprochen fühlt oder sie gar nicht versteht – Sprache und fehlendes Kontextwissen können da unüberwindbare Hürden sein.

Habe ich in Deutschland aus den genannten Gründen schon eher einen Bogen um Kabarett gemacht, so habe ich das Genre Comedy hier in New York bislang ganz ausgelassen. Auch wenn wir Besucher hatten, die sich im Rockefeller Center die Jimmy Fallon Show im Original angeschaut haben und sehr angetan waren. 

Am Mittwoch auf jeden Fall haben wir im Rahmen des Summer for the City-Programms des Lincoln Center eine Comedy Show angeschaut, passend zum Pride Month mit einer fünf verschiedenen Comedians aus der LGBTQ-Community. Der Saal, die umfunktionierte Tiefgarage des Lincoln Center, war gut gefüllt – trotzdem war der unterirdische Spielort natürlich eine Einladung zu Witzen zum Umgang des Mainstream-Kulturzentrums mit Pride. 

Nach einem etwas fragwürdigen Einstieg der Show-Kuratorin, die sich selbst offensichtlich für sehr witzig hielt, während sie Anekdoten zum Thema Brustkrebs und Brustamputationen ins Mikrofon kreischte (war nicht lustig; es hat auch keiner gelacht) wurde es besser. Durch das den Abend führte Murray Hill, comedian, drag king entertainer, and self-proclaimed “hardest working middle-aged man in show business,” der das Publikum erst einmal nach Applaus in Schwule, Lesben, eine Trans-Person und die arme, benachteiligtes Gruppe der Heteros teilte. 

Danach kam drei Einzelnummern. Erst von Nico Carney, der über sein doppeltes Coming out, erst als Lesbe, dann als Transmann erzählte und die daraus resultierenden komischen Situationen beim Fußballspielen. Als zweites trat Alex English (she/her) auf, die die harte Kampflesbe gab. In der dritten Nummer nahm Ali Cobert, ein Black Comedian, das Publikum mit in seine komplizierte von  doppelten Vorurteilen bestimmte Welt. Warum hat die alte weiße Frau keine Angst vor ihm? Sollte er (black) mit der Handtasche davonrennen, die ihm eine Passantin in die Hand gedrückt hat, um ihre Schuhe zu binden? Oder sollte er (gay) stehen bleiben, um die schönen Schuhe zu bewundern?

Hauptakt war dann eine Ratgebershow mit Jenny Hagel, zu der das Publikum vorher Fragen zu Finanzen, Jobs und Liebesleben zusammentragen durfte. Die Antworten waren häufig lustig und schlagfertig, und manchmal tatsächlich hilfreich; am Schluss wurde es allerdings etwas lang. 

Trotzdem bereue ich es nicht, jetzt auch einmal einen Comedy-Abend mitgemacht zu haben. Bei meiner Recherche habe ich übrigens auch noch ein paar ganz amüsante Jimmy Fallon Clips zu der anstehenden TV-Debatte der Präsidentschaftskandidaten gefunden. Ihr könnt es ja noch anschauen – und wisst beim Erscheinen dieser Zeilen auch schon, wer bei dem Duell zuletzt gelacht hat.

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Berlin, Brooklyn, and beyond

Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn