Politik und Kunst

Politik und Kunst

Nur Verlierer. Das ist die Bilanz der gestrigen Fernsehdebatte zwischen Biden und Trump. Biden wirkte wie der manchmal etwas inkohärente Ur-Großvater, dem man höflich zuhört, wenn er seine Meinung zur Politik beiträgt. Er weiß ja wirklich viel, hat vieles gut entschieden, kennt fast alles aus Erfahrung. Nur manchmal wird es etwas unscharf: die Aussprache, die Sätze, war es Covid? Oder doch schon die Pest?

Der Andere mag seine Worte klarer hervorgebracht haben, inhaltlich Neues oder auch nur sachlich zutreffendes kam fast nicht. Krude Behauptungen, Lügen, Ausweichmanöver, gruselige Ankündigungen, wie er mit Biden nach der Wahl umgehen wird; brrr, diese Zukunftsperspektive lässt das Schlimmste befürchten.

Verlierer waren außerdem alle Zuschauer vor den Fernsehern, die sich diese Debatte angetan haben. 90 Minuten verschwendete Lebenszeit und Aussicht auf dreieinhalb Monate schmutzigen Wahlkampf, ganz zu schweigen von dem, was danach auf die USA und die Welt zukommt.

Hört auf!, möchte man rufen, für immer, in Richtung oranger Giftzwerg; hör´ auf, so lange es am schönsten ist, zu dem älteren Herrn, auch wenn es schwer fällt.

Dass Abschied nehmen nicht leicht fällt, kann ich allerdings nur zu gut verstehen, befinde ich mich doch derzeit im dauerhaften Abschiedsmodus von dieser schönen und manchmal anstrengenden, coolen und im Sommer heißen Stadt New York. Aber man kann sich seinen Abschied (ok, vielleicht nicht den aus der Politik) ja versüßen. Zum Beispiel durch Kunst. 

So geschehen, z.B. durch einen letzten Besuch im MoMA P.S.1, dem zum Museum umfunktionierten Schulgebäude in Queens. Das Fenster in den Himmel, genannt „Meeting“ von James Turrell war immer noch toll, auch wenn es diesmal ganz anders gewirkt hat als bei unserem ersten Besuch. Bei den Sonderausstellungen greife ich zwei Künstlerinnen heraus, die jeweils eine  eigene Werkschau hatten und beide mit Textilien arbeiten. Die philippinisch-amerikanische Künstlerin Pacita Abas verarbeitet ihre eigenen Flucht und Immigrationserfahrungen in Patchworkarbeiten und in Malereien (oben). Bei aller Beschäftigung mit harten (politischen Themen) wie Flucht und Unterdrückung bleibt sie aber immer sehr farbenfroh.

Viel Farbe gibt es auch bei Melissa Cody (unten), die dem Volk der Navajo angehört. Sie verbindet traditionelle Webtechniken und Muster mit neuen Farben und Computertechnik und stellt daraus geometrische Formen dar. Hintergrund sind auch bei ihr alte Geschichten der Vertreibung ihres Volkes aus den angestammten Lebensräumen.

Eigentlich ja auch alles politisch, aber irgendwie schöner.

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Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn