So foul and fair a time…

So foul and fair a time…

Sonnenschein und Wolkenbrüche, erste und letzte Male, zu warme Wohnung, zu kalte Subway, furchtbare TV-Debatten hier, furchtbare Wahlergebnisse in Europa/Frankreich, Fundstücke am Wegesrand und verlorene Taschen in der Subway. Irgendwie balanciert es sich ja alles aus.

Gestern habe ich eine wunderschön-hässliche Schirmmütze ohne Mütze (Ihr wisst schon, die Dinger, die Tennisspieler tragen) in Regenbogenfarben gefunden, die jetzt für die letzten Tage meine Sonnenbrille und Sonnenhut ersetzen muss. Diese waren nämlich in besagtem verlorenen Beutel, nebst kostbarer Lesebrille, einem Portemonnaie ohne Geld, aber mit Fährtickets, ein paar deutschen Ausweisen, meinem Kalender mit wichtigen Adressen, Notizen und Erinnerungen… 

Naja, es hätte noch schlimmer kommen können. Den Schlüssel und die wichtigsten Karten und auch mein Handy hatte ich an anderer Stelle; außerdem hatte ich durch dieses Erlebnis mal wieder die Gelegenheit, hilfreiche Menschen kennenzulernen und an die Grenzen meines American English zu gehen. 

Da ich sofort nach dem Aussteigen gemerkt habe, dass ich eine meiner zwei Taschen in der Subway vergessen hatte, konnte ich mich immerhin umgehend bei der Stationsmeisterin (subway clerk; zum Glück sind hier fast alle Stationen immer besetzt) melden. Mit schönem afroamerikanischen Akzent hat sie hat mir sehr freundlich die Details zu meinem Tascheninhalt abgerungen, um dann an der Zielstation des Zuges nachforschen zu lassen. Noch mehr ins Detail und die Untiefen der Tasche ging es mit einem spanischsprachigen Polizisten-Duo, das meine kompletten Daten, Beschreibung der verlorenen Gegenstände und ihren Wert aufgenommen hat. Muchas gracias, nett waren sie auf jeden Fall. Auch der Polizist, mit dem ich heute wegen der Verlustanzeige (complaint reports) gesprochen habe, war ein Netter (vom Akzent her hatte er vielleicht einen zentralasiatischem Hintergrund). Wenn der Beutel auch bislang verloren bleibt, die ganze Welt hilft auf jeden Fall mit ihn zu suchen.

Ein weiteres Gutes hat der Taschenverlust auch noch: Mein Koffer für den Rückflug wird um ein paar Gramm leichter. Noch habe ich mich ja nicht wieder ans Einpacken gemacht, und ein paar, wenige Kleidungsstücke habe ich auch schon an diversen Orten in Deutschland zurückgelassen. Aber ein paar Dinge sind in den elf Monaten doch dazugekommen.

Manch eine/r von Euch erinnert sich vielleicht noch an mein heiliges Anti-Shopping-Gelübde. Nun, bis vor kurzem war ich fast noch clean (sieht man mal von einer Hose-Pulli-Kombination ab, die ich mir zum Geburtstag gegönnt habe). Aber dann bin ich bei uns in der Nachbarschaft in einen kleinen Laden der wunderbaren Transgender/Dragqueen Sasha geraten, die meine bessere Hälfte mit Bier, mich mit schrillen Kleidern, Komplimenten und Kaufargumenten überhäuft hat. „Among uns elder women – you know, I’ve just turned 40 – it’s not like we would follow fashion. We make fashion.“ Natürlich konnte ich nicht widerstehen. 

Aber wir machen uns das Leben schön, wo immer es geht!

Bild: Rolltreppe bei Saks, Fifth Avenue – hier habe ich kein Geld gelassen.

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Berlin, Brooklyn, and beyond

Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn