Meine Abschiedsrunde hat mich gestern noch einmal in das Museum of the City of New York geführt, wo ich nicht nur greifbare Erinnerungen shoppen wollte (grandios gescheitert; ich habe mich einfach schon wieder zu lang in den Museumsräumen aufgehalten), sondern auch den persönlichen Abschied von New York verbinden wollte mit einem letzten Besuch der bald (21. Juli 2024) endenden Ausstellung „This is New York“.
Alleine die „immersive film experience“, bei der auf rund 20 Bildschirmen gleichzeitig unterschiedliche Ausschnitte aus New York Filmen zu sehen sind, ist den Besuch wert. So dicht bekommt man Glamor und Gosse, Endzeitstimmung und Hoffnung, Topoi und Taxis nicht noch einmal zu sehen! Ich hoffe, diese wunderbare Collage verschwindet nicht einfach in den Archiven – hätte ich nicht die Öffnungszeiten des Museumsshops verschwitzt, dann hätte ich zumindest mal fragen können, ob man eine Kompaktfassung erwerben kann. Falls ich in Berlin irgendwann einmal Sehnsucht nach einer echten Großstadt haben sollte… (oops!).
Natürlich habe ich aber auch noch Neues entdeckt. Eine der Einzelausstellungen ist Shirley Chisholm gewidmet, die in diesem Jahr ihren einhundertsten Geburtstag gefeiert hätte. Sie war nicht nur die erste schwarze Frau im US-Congress, sondern hat sich 1972 auch als erste schwarze Frau auf das Amt der US-Präsidentin beworben. Immerhin konnte sie in den Vorwahlen 2,7 Prozent der Wählerstimmen hinter sich vereinen, ein Achtungserfolg, der viel für unterrepräsentierte Bevölkerungsgruppen bewirkte. Nicht umsonst ist Chisolm, die aus einer karibischen Einwandererfamilie stammte und in Brooklyn aufgewachsen ist, ein Vorbild für die aktuelle Vizepräsidentin Kamala Harris. Auch wenn diese (noch?) nicht ihren Hut in den Ring geworfen hat.
Naja, das wird man später einmal einordnen können; wie es ja immer leichter ist, politische Ereignisse mit einem gewissen zeitlichen Abstand zu betrachten. Den Zeitraffer durch die letzten hundert Jahre New York habe ich in dem MCNY dann auch noch gemacht; dieses Stück der Dauerausstellung habe ich bislang noch nicht angesehen, kann jetzt nach einem kleinen Einblick in Jazz-Age, Depression, Krieg, wirtschaftlichen Abstieg und Wiederaufbau trotzdem empfehlen, hier mit genug Zeit hinzukommen.

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