Mein persönlicher Kulturmanager hat es gut mit mir gemeint: Jeden Abend gibt es einen anderen Programmpunkt. Angesichts des eher traurigen, grauen Wetters ist das eine gute Sache. Ob man die gesehenen Stücke dagegen als Aufheiterung bezeichnen kann, ist zumindest fraglich.
Das erste, “Wine in the Wilderness” von der afro-amerikanischen Schauspielerin und Bühnenautorin Alice Childress, spielt vor dem Hintergrund der Harlem-Riots in den Sechziger Jahren. Das Stück aus dem Jahr 1969 thematisiert die Brüche und Auseinandersetzung innerhalb der Black community; insbesondere geht es um die Rolle der Frau. Ein Maler, der an einem Triptychon über die Schwarze Frau arbeitet, sucht für das dritte Bild ein Modell für ein einfaches, häßliches Straßenmädchen. Seine Freunde bringen im Tomorrow “Tommy” Marie, die gerade ihre Wohnung verloren in den Unruhen verloren hat und auf der Suche nach Essen und einem Dach über dem Kopf ist. Im Verlauf des Stückes entwickelt sie sich durch Weglassen der Perücke, Wechsel der Kleidung und vor allem durch ihre klugen und selbstbewussten Worte zur wahren “Black Goddess”.
Ob die Inszenierung es von der kleinen Bühne im East Village bis an den Broadway schafft, bleibt abzuwarten. Sehenswert ist es wegen der guten Dialoge und nicht zuletzt der überzeugenden Hauptdarstellerin Olivia Washington (einer Tochter von Denzil Washington) allemal.

Das zweite Stück in unserer Serie war ein weltweiter Bühnenklassiker, “Der Kirschgarten” von Anton Tschechow. Das russische Drama rund um den Verfall und Verkauf eines Landgutes mit Kirschgarten wurde von dem Londoner Donmar Warehouse und der deutschen Schauspielerin Nina Hoss in der Hauptrolle aufgeführt. Die Tristesse und Unfähigkeit der Akteure, das eigene Leben und die Zukunft in die Hand zu nehmen, sind auf jeden Fall überzeugend, wenn auch nicht gerade ermutigend herübergekommen. Die nächste Inszenierung in dem Theater St. Ann’s Warehouse auf der Brooklyner Seite des East River ist übrigens die „Dreigroschenoper“ in einer Fassung des Berliner Ensemble unter Leitung von Barrie Kosky.
Das dritte Theaterstück in dieser Woche kommt erst noch. So viel sei aber schon verraten: Viel Starpower ist dabei. Und sogar die Tagesschau hat neulich von der Premiere am Broadway berichtet.

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