Noch dem unangenehmen, aber allgegenwärtigen Wirtschaftsthema heute wieder zurück zur Kultur:
Das dritte Theaterstück in dieser Woche „Good Night, and Good Luck“ habe ich ja neulich schon angeteasert, und war ob all der Vorschusslorbeeren für George Clooney gar nicht sicher, ob es den großen Erwartungen standhält und einen weiteren Blog-Eintrag rechtfertigt. Doch sowohl das Stück als auch der Hauptdarsteller, verdienen das Lob. Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Der CBS-Journalist Ed Murrow recherchiert zu einem von Senator McCarthy der Verstrickung in kommunistische Umtriebe beschuldigten Lieutenant und setzt sich in seinen Sendungen zunehmend kritisch mit der Politik von McCarthy auseinander.
Die Bühnenadaptation des gleichnamigen Films von Clooney aus dem Jahr 2005 gibt auch Originalaufzeichnungen eines Fernsehauftritts von Mc Carthy wieder, in denen dieser den Anschuldigungen von CBS seine eigenen Ansichten gegenüberstellt und Murrow attackiert.
Die Brücke in den heutigen Alltag ist schnell gemacht, und wurde vom Publikum auch ohne die in der Schlussszene eingeblendeten Nachrichtenschnipsel, die von der McCarthy Ära bis ins Heute reichten, gut verstanden. Szenenapplaus gab es für die eindrücklichen Plädoyers für freien Journalismus, der der Wahrheit und der Ausgewogenheit verpflichtet ist; Lacher für die Aussage, dass die Gleichgesinnten ohnehin schon ins Flugzeug nach Europa gestiegen sind.
Wenn dieses zwanzig Jahre alte Stück noch so aktuell ist, dann gilt gleiches für den Roman „The Trees“ von Percival Everett, dem Autor von „James“ und der literarischen Grundlage für „American Fiction“. Veröffentlicht wurde der Roman erst 2021, also zu Zeiten von President Biden. Trotzdem kommt in dem Roman ein ungenannter, aber erkennbarer gegenwärtiger Präsident zu Wort, und bedient alle schlechten Erwartungen – diesmal rund um das N-Wort.
Das Buch fängt als alltäglicher Kriminalroman an. Nach zwei brutalen Morden in der Ortschaft Money in Mississippi, bei denen jeweils eine weiße und eine schwarze Leiche gefunden werden, übernehmen zwei schwarze Polizisten den Fall. Dieser weitet sich immer weiter aus. Nicht nur, weil es immer mehr Verbrechen nach dem gleichen Muster gibt, sondern auch weil die historische Dimension dazukommt – die weißen Opfer sind alle auf irgendeine Weise mit Lynchmorden an Schwarzen verbunden -, sondern auch noch eine übernatürliche. Die schwarzen Opfer verschwinden auf mysterische Art und Weise; eine über 100-jährige „old witch“ und ihre Namen wechselnde Urenkelin sind irgendwie beteiligt…
Sehr lesenswert und in mehr als einem Sinne schwarzer Humor.

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