Prosa und Parks

Prosa und Parks

Weil es ja neulich schon einmal um Brecht und die Dreigroschenoper ging, gibt es heute ein Brecht-Zitat aus dem Gedicht „Schlechte Zeit für Lyrik“, an das ich dieser Tage ein paar Mal denken musste (warum wohl?):

In mir streiten sich 

Die Begeisterung über den blühenden Apfelbaum 

Und das Entsetzen über die Reden des Anstreichers. 

Aber nur das zweite 

Drängt mich zum Schreibtisch.

Heute bleibe ich bei Prosa und Apfelbäumen, Kirschbäumen und ein wenig Kunst. Von allem gibt es auch in dieser Woche in New York reichlich. Der Frühling steht angesichts des kalten Wetters (heute ist es ein paar Grad wärmer als gestern, aber dafür sind wieder mehr Wolken am Himmel) eher noch in den Startlöchern. Die Straßenbäume vor unserem Fenster haben winzige grüne Spitzen an ihren Ästen, sind aber noch kahl. Dafür sieht man überall in der Stadt die sorgsam gepflanzten Tulpen, Narzissen in den Blumenbeeten, und in den Vorgärten blühen die Magnolien in unterschiedlichen Farben.

Natürlich habe ich, soweit möglich, auch den verschiedenen New Yorker Parks einen Besuch abgestattet. Der Central Park ist in puncto Frühling tatsächlich schon ein Stückchen weiter als unsere Straßenbäume in Brooklyn (Abwärme der eiligen Fußgänger?). Gleiches gilt für die Highline. Zumindest die Menge der Touristen ist beeindruckend wie eh und je, das zarte Grün kann sich da ohnehin kaum durchsetzen. Trotzdem ist dieser Park auf einer früheren Zugtrasse immer wieder einen Abstecher wert. Zudem gibt es, wenn man einmal ein paar Monate weg war, neue Kunst zu bewundern. Ob die riesige Taube am Nordende der Highline allen gefällt, wage ich zu bezweifeln; was ansonsten so zu sehen ist, müsst Ihr wohl selbst erkunden; diese Woche wurde nämlich noch umgebaut. 

Erfolgreich abgeschlossen wurden dagegen in den letzten Monaten die Arbeiten an meinem Lieblingspark, dem Domino Park in Williamsburg. Hier kann man jetzt im Schatten der Williamsburg Bridge Beach Volleyball spielen oder beim neuen Parkkiosk Eis erwerben. Und das Beste bleibt natürlich der Blick über den East River nach Manhattan.

Fun Fact: Als ich nach Genuss von Grün und Wasser durch Williamsburg gelaufen bin, habe ich gleich drei „Anstreicher“ gesehen. Völlig harmlos – und jetzt ist für mich auch die Frage geklärt,wie die kunstvollen Werbe-Bilder auf den Mauern entstehen: echte Handarbeit mit Eimer und Pinsel.

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