Und die nächste Reise geht los, Mit dem Flugzeug fliegen wir in die Windy City, Chicago, wo wir passend auch gleich mit einem etwas ruckeligen Landeanflug begrüßt werden. Ansonsten haben wir nicht nur eine Stunde durch die Zeitverschiebung zwischen Ostküste und Illinois hinzugewonnen, sondern auch noch das New Yorker Grau durch Sonnenschein ausgetauscht.
Nach der Fahrt mit der L-Train („L“ als Kürzel für „elevated train“, weil die Nahverkehrszüge hier überwiegend auf Stelzen unterwegs sind), sind wir mit der Ankunft bei unserem Hotel eigentlich schon beim Thema des Tages, der Architektur. Untergebracht sind wir nämlich in einem relativ neuen Wolkenkratzer, „Aqua at Lakeshore“, der 2009 fertiggestellt wurde und mit seinen wellenförmig angebrachten Balkons 82 Stockwerke in die Höhe ragt. Für uns bleibt es zu meiner Erleichterung bei dem 8. Stock. Das führt zu ruhigerem Schlaf, vor allem, wenn man sich am späten Nachmittag wie wir noch einer interessanten Schiffstour unterzieht, die zahlreiche Informationen zur Architektur und Statik der Wolkenkratzer bietet.
Gut eineinhalb Stunden fahren wir auf dem Chicago River und seinen Seitenarmen auf und ab und erfahren von unserem unterhaltsamen Stadtführer Bob alles mögliche zur Historie und Bauweise der Gebäude am Ufer.
Zum Beispiel gibt es da das alte Wrigley-Hochhaus, das von dem Kaugummi-Erfinder in Auftrag gegeben wurde und eines der ersten großen Häuser war, die nördlich des Chicago-River entstanden sind. Jetzt bildet es den südlichen Ausgangspunkt der Einkaufsstraße „magnificent mile“. Dann sind da diverse zu Wohnungen umgebaute Lagerhäuser, von denen eines früher als gigantische Gefriertruhe benutzt wurde. Die Wände waren so tief eingefroren, dass sie sechs Monate lang auftauen und die Mauern durch zusätzliche Metallstreben gefestigt werden mussten. Ein weiterer Skyscraper am Ufer beeindruckt durch seine extrem schmale Grundfläche, über der sich ein deutlich breiteres Bauwerk befindet. Das Geheimnis dahinter ist, dass die tragende Konstruktion rund 30 Meter tief in die Erde getrieben wurde – auf dem schmalen Grund, der nicht von unterirdisch verlaufenden Eisenbahnschienen belegt war.
Weitere Tricks beim Hochhausbau, vor allem für windige Gegenden wie Chicago, sind große Wasserbecken auf oberen Etagen, windschnittige Grundrisse wie entsprechend ausgerichtete Ellipsen, „ausgelassene“ Stockwerke, durch die der Wind hindurchpfeifen kann. Wäre ja auch schade, wenn in den teuren Penthouse-Appartments oben das Wasser aus der Kloschüssel schwappt!



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