Seattle – Museum of History and Industry

Seattle – Museum of History and Industry

Einen zu Seattle habe ich noch, auch wenn ich mittlerweile wieder sieben Zeitzonen weiter im Westen und deutlich näher am nördlichen Polarkreis bin. Für unseren zweiten Tag in der “emerald city” haben wir uns das Museum of History and Industry vorgenommen, das direkt am Südufer des Lake Union liegt. 

Auch wenn der Name des Hauses vielleicht ein bisschen trocken klingen mag, kann man dort doch eine ganze Menge lernen. Wie an vielen Orten in den USA fängt die (erzählte) Geschichte von Seattle mit einem eher schmutzigen Deal an: Die europäisch-stämmigen Siedler, die Mitte des 19. Jahrhunderts am Pudget Sound ankamen, haben den seit mehreren Jahrtausenden hier lebenden indigenen Owamish und Suquamish das Land mit einem Vertrag “abgekauft”. Ergebnis der Transaktion war im wesentlichen, dass die junge Stadt den Namen des Häuptlings, “Seattle”, bekam und die Ureinwohner auf ein paar kleine und wenig ertragreiche Landstriche in der Gegend zurückgedrängt wurden.

Nach dem zumindest aus Siedlersicht erfolgreichen Start hat sich Seattle in verschiedenen Phasen immer wieder neu erfunden und gute Geschäfte gemacht. War die Stadt anfangs ein Umschlagplatz für Holz, so wurde es danach ein Handelsplatz für Waren aller Art und ein wichtiger Zwischenstopp für die Goldgräber, die in Klondike in Kanada ihr Glück versuchen wollten.

Im 20. Jahrhundert waren dann die Bierbrauerei (bis zur Prohibition) und der Bau von Flugzeugen und Raketen (Boeing wurde hier gegründet und hat immer noch einen großen Sitz in Seattle) wichtige Industriezweige. Nach dem zweiten Weltkrieg erfand sich Seattle ein weiteres Mal neu und wurde zur Tech City. Nicht nur Medizingeräte wie der Ultraschall wurden hier erfunden; auch die beiden Microsoft-Gründer Bill Gates und Paul Allen haben sich in einer Schule in Seattle kennengelernt und ihr junges Unternehmen kurz nach der Gründung in New Mexico wieder in die Metropolregion Seattle verlegt.

Heute sind der Handelsriese Amazon und sein Chef Jeff Bezos in Seattle schwer im Geschäft. Das sieht man nicht nur in dem Viertel Bell Lake Union, wo ein ganzes modernes Viertel mit Amazon-Hauptsitz, Amazon-Bürotürmen, neuen Miniatur-Parks und unzähligen Mitarbeiter:innen aus allen Ländern der Welt die Stadt dominiert. 

Auch noch einen Abstecher wert waren uns die University of Washington, die zu einigen Erfindungen in der Stadtgeschichte Seattles beigetragen hat, und – an unserem Abschiedsmorgen – ein Besuch des Olympic Sculpture Park.

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