Singen und singen lassen

Singen und singen lassen

Am diesem Montag ist die Generalprobe für das Weihnachtskonzert meines jetzigen Chores. Glücklicherweise bleibt mir für meine europäische Leserschaft die Überlegungen erspart, ob ich Euch zum Konzert am Donnerstag einlade, bin ich mir doch – über meinen regelmäßigen Zweckpessimismus vor eigenen Konzerten hinaus – nicht sicher, ob ich das Anhören wirklich empfehlen kann. Zusammengewürfeltes Programm (ein bisschen Messias, ein paar Spirituals, zwei alte deutsche Weihnachtslieder mit amerikanischem Text und dann noch eine Prise H-Moll-Messe), ein breites Spektrum an Mitsingenden, viel Vibrato, drei sich abwechselnde Dirigentinnen – aber wer weiß, vielleicht wird es ja doch noch ganz schön.

Auf jeden Fall bleibe ich der Überzeugung, dass man in jedem Chor etwas lernen kann. In diesem unter anderem zur „Chor governance“, die sich in der jetzigen Form wohl in der abklingenden Corona-Pandemie herausgebildet hat. Geprobt wird einmal wöchentlich 90 Minuten für alle in Manhattan und ein weiteres Mal in New Jersey (für mich zu weit). Außerdem gibt es an einem Abend pro Woche „sectionals“ also Proben für einzelne Stimmgruppen. Fast alles wird auch live auf Zoom gestreamt, so dass man von zu Hause üben kann. In den Proben wird geprobt (und nicht gequatscht, liebe Vokalkolleg:innen – dafür auch keine Kneipenbesuche), alle stehen unaufgefordert auf, wenn sie mit Singen an der Reihe sind. Ein weiteres Detail noch: bei ähnlicher Organisationsform wie mein Berliner Chor (Finanzierung durch Mitgliedsbeiträge/Spenden und Konzerteinnahmen) liegt der jährliche Mittelbedarf ungefähr zehn mal so hoch.

Doch weg von drögen Finanzfragen und zurück zur Musik. Am zweiten Adventssamstag haben wir hier ein weiteres Konzert aus der Early Music-Reihe des Miller-Theatre gehört, wieder in der Church of St Mary the Virgin in unmittelbarer Nähe zum Times Square. Diesmal waren die Tallis Scholars zu Gast, die ein weihnachtliches Programm „While Shepherds Watched“ rund um die Messe „Pastores Quidnam vidistis“ von Clemens non papa aufgeführt haben. Zehn Stimmen, reine, klare Klänge. Das ist Musik!

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