Literaturtipp (2)

Literaturtipp (2)

Falls jemand noch ein Weihnachtsgeschenk für New York Liebhaber sucht — ich hätte noch einen Vorschlag. Auch wenn ich zugeben muss, dass der neue Roman von Paul Auster, „Baumgartner“ überwiegend in New Jersey spielt, mit kleineren Abstechern in den Big Apple. Aber da der Autor in Brooklyn lebt und nicht zuletzt für seine „New York Trilogy“ bekannt ist (die mir beim ersten Lesen vor vielleicht zwanzig Jahren nicht besonders viel gesagt hat), zählt es ja vielleicht doch.

In „Baumgartner“ geht es um einen gleichnamigen Philosophieprofessor, Phänomenologen und Autor, der sich mit dem Tod seiner vor neun Jahren bei einem Schwimmunfall tödlich verunglückten Frau Anna und seiner Liebe zu ihr auseinandersetzt. Sy Baumgartner ist 71 Jahre alt und lebt alleine in dem Haus, in dem er viele glückliche Jahre mit Anna verbracht hat. Die Eingangsszene nimmt die Leser mit in die Gegenwart Baumgartners, seine Vergesslichkeit in Bezug auf Alltagsdinge, seine Gebrechlichkeit, seine Sehnsucht und seinen Schmerz. Ausgehend von einem angebrannten Topf reisen wir zu den Anfängen der Beziehung von Sy und Anna.

Während die Handlung in der Gegenwart sich langsam weiterentwickelt und andere Menschen in Sys Leben wichtiger werden, führen Erinnerungen und ihn immer wieder in die Vergangenheit: zu seinen Eltern, den ersten gemeinsamen Jahren mit Anna, verpassten und vergebenen Chancen im Leben, aber auch dem Glück und der Kraft, die sie aus ihrer Arbeit mit Worten schaffen – ihre Gedichte und seine Bücher sind Teil der Auseinandersetzung mit allen möglichen Facetten menschlichen Lebens.

Als ruhiges, zärtliches und, ich will fast sagen, altersmildes Werk von Paul Auster kann ich den Roman durchaus empfehlen. Noch mehr überzeugt hat mich allerdings sein letzter Roman „4 3 2 1“. Diese Erzählung von gleich vier Varianten der Lebensgeschichte des Protagonisten Archie Ferguson spielt wie „Baumgartner“ in New York, Newark und Paris und verarbeitet politische Ereignisse wie den Vietnamkrieg, die Wahl und Ermordung Kennedys oder den Kampf um Bürgerrechte in den USA.

Ihr habt also die Qual der Wahl (und meine Leseliste ist gerade auch noch einmal länger geworden: In „Winter Journal“ hat Paul Auster 2012 seine Memoiren aufgeschrieben – da kann man hoffentlich noch mehr über die autobiographischen Elemente in beiden Romanen erfahren.)

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Berlin, Brooklyn, and beyond

Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn