Rückkehrrituale

Rückkehrrituale

So langsam bin ich nicht nur körperlich, sondern auch schlaftechnisch und mental wieder in Brooklyn und New York angekommen. Eine Rückkehr „nach Hause“, eine „Heimat“, um diesen vielstrapazierten Begriff zu verwenden, war es für mich (noch) nicht, zumindest nicht in dem Sinne, dass ich sagen könnte: jetzt bin ich da, wo alles stimmt und richtig ist. Aber wer weiß, wahrscheinlich ist das zu viel verlangt und vielleicht hätte ich mich in Berlin auch nicht wirklich zu Hause gefühlt, auch weil dort derzeit die eigene Wohnung fehlt, in ich tun und lassen könnte, wonach mir der Sinn steht. In Brüssel gab es irgendwann so einen Punkt, an dem wir uns bei der Rückkehr nach einer Reise angeschaut und gleichzeitig festgestellt haben: hier fühlt es sich an wie zu Hause. Aber so etwas dauert.

Nach diesen philosophischen Einlassungen zu den praktischen Ritualen der Rückkehr: neben Koffer leeren etc. pp. gehört in New York wohl eine Überquerung der Brooklyn Bridge dazu. Und der Autor einer meiner klugen Reiseführer, die ich aus Deutschland mitgenommen habe, hat gleich in der Einleitung geschrieben, dass sein Ritual bei jeder Ankunft in NYC eine Fahrt mit der Fähre nach Staten Island und zurück ist.

Beides haben wir gestern gemacht. Das Fahrrad wurde wieder aktiviert und wir haben uns bei kaltem Wind über die Brooklyn Bridge gequält und sind dann pünktlich zum Sonnenuntergang bei dem Ferry Terminal gewesen. Das schöne der Staten Island Ferry: Sie fährt regelmäßig rund um die Uhr, ist für alle Passagiere kostenlos (weil so auch der am wenigsten illustre Borough gut angebunden ist) und bietet eine wunderbare Aussicht auf die Südspitze Manhattans.

Und wenn man nicht auf Staten Island bleiben will (irgendwann werde ich mich dort wohl auch noch ein wenig umschauen), dann kann man die Besichtigungstour mit einer kleinen Sporteinheit verbinden: Nach der Ankunft müssen alle Passagiere die Fähre verlassen. Mit einem kleinen Sprint durch das Hafengebäude schafft man es aber wieder auf dieselbe Fähre, und kann sich erneut den Fahrtwind um die Nase wehen lassen.

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Berlin, Brooklyn, and beyond

Eine Berlinerin berichtet aus Brooklyn